Mehrere Kollegen sitzen zusammen am Tisch und halten eine Besprechung ab. Eine Frau erklärt etwas.
BGM

Gesund führen – das sind die Bausteine

Gesunde Führung – gesunde Mitarbeiter

Bausteine für ein gesundes und produktives Team

Gesund führen bedeutet, als Führungskraft dafür zu sorgen, dass sich das gesamte Team, einschließlich der Führungskraft selbst, am Arbeitsplatz wohl fühlt und gesund bleibt. Wie führen Sie Ihr Team? Zählt eine gesunde Mitarbeiterführung zu Ihren Führungszielen? Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit? Lesen Sie hier, worauf es bei einem gesunden Führungsstil ankommt und wie Sie ihn in die Praxis umsetzen.


Was ist das Ziel einer gesunden Führung?

Ein gesunder Führungsstil zielt darauf ab, dass alle Mitarbeiter möglichst lange gesund und motiviert ihrer Arbeitstätigkeit nachgehen können und dabei gute Leistungen erbringen.

Mitarbeiter sollen

  • sich wohler fühlen und seltener krank sein
  • engagiert und motiviert sein
  • leistungsfähigrt sein

Definition: Was ist ein gesunder Führungsstil?

Gesund führen heißt das Arbeitsumfeld und das Verhalten von Mitarbeitern und Führungskräften in einem Betrieb so zu beeinflussen, dass die Leistungsfähigkeit, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten nachhaltig erhalten bleiben und gefördert werden.


Warum sollte gesunde Führung eine Kernkompetenz von Führungskräften sein?

Gesunde Führungskräfte und gesunde Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource in einem Unternehmen. Für Führungskräfte lohnt es sich, die eigene Gesundheit und die der Beschäftigten zu einem Leitziel ihrer Führungsarbeit zu machen. Denn das erhöht die Effizienz, ist ressourcenschonend und kommt allen zugute, der Führungskraft, dem Mitarbeiter und dem Betrieb.

Denn wer krank ist – ob physisch oder psychisch -, fühlt sich schlecht und ist weniger funktionsfähig. Häufige Fehltage von Beschäftigten belasten zudem das Team und das Unternehmen. Sie können zu einer verringerten Produktivität und hohen Kosten führen. Viele Beschäftigte scheiden auch krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Das hat ebenfalls negative Folgen für die Betroffenen, die Unternehmen und die Gesellschaft. Ein gesunder Führungsstil hingegen unterstützt Mitarbeiter dabei, über die gesamte Dauer ihrer Lebensarbeitszeit ihre Gesundheit zu erhalten, Ressourcen aufzubauen und berufliche Belastungen zu verringern.


Warum ist ein gesunder Führungsstil so effektiv?

Der Führungsstil kann einen großen Einfluss auf die Gesundheit von Mitarbeitern haben, vor allem auf die psychische Gesundheit. Eine 2013 in St. Gallen durchgeführte Studie zeigt, dass ein gesunder Führungsstil sogar einer ergebnisorientierten oder inspirierenden Führung hinsichtlich seines positiven Einflusses auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten überlegen ist. Sowohl eine ergebnisorientierte als auch eine inspirierende Führung gelten als gute Führungsstile, die für sich genommen bereits einen positiven Effekt auf die Mitarbeitergesundheit ausüben. Doch zahle sich eine gesunde Führung noch mehr aus.

Beispielsweise sei die psychische Gesundheit der Mitarbeiter bei Unternehmen mit einer stark ausgeprägten gesunden Führung zusätzlich um 14 Prozent verbessert gegenüber Unternehmen, die zwar eine gute Führung als Fundament haben, nicht jedoch gesund führen. [1] Das liege vor allem daran, dass gesund führende Führungskräfte achtsam mit sich und ihren Mitarbeitern umgehen. Sie achten auf gesundheitliche Warnsignale ihrer Mitarbeiter und sind ihnen ein Vorbild in Punkto gesundheitsförderndes Verhalten.


Welche Vorteile bietet ein gesunder Führungsstil?

Der Führungsstil lässt sich in einem Unternehmen nicht von heute auf morgen verändern. Es ist ein Prozess, sich an neue Gegebenheiten und Vorsätze zu gewöhnen und diese umzusetzen. Aber es lohnt sich, denn ein gesunder Führungsstil bringt viele Vorteile für die Mitarbeiter, die Führungskräfte und das Unternehmen. Gesunde Führung

  • Fördert die Arbeitszufriedenheit
  • Motiviert zur Arbeit
  • Gestaltet den Arbeitsplatz gesundheitsfördernd
  • Hilft gesundheitliche Risikofaktoren, wie Überbelastung, negativen Stress etc. zu vermeiden
  • Gestaltet Arbeitsabläufe effektiv und bietet mehr eigene Entscheidungsfreiräume
  • Ermöglicht eine Kommunikation auf Augenhöhe
  • Bringt die persönlichen Ziele der Mitarbeiter mit den Unternehmenszielen in Einklang
  • Behält die Gesundheit der Führungskraft im Blick
  • Erhöht die Attraktivität des Arbeitgebers und senkt die Mitarbeiterfluktuation

Was macht eine gesunde Führung aus?

Führungskräfte führen ihr Team gesund, indem sie die Mitarbeiter unterstützen und eigenverantwortliches Arbeiten fördern. Dies kann eine Führungskraft beispielsweise dadurch erreichen, dass sie starke Arbeitsbelastungen wie Zeitdruck, formelle Hindernisse oder Umgebungsbelastungen für die Mitarbeiter reduziert. Entscheidend für eine gesunde Führung ist allerdings das Zwischenmenschliche. Gesunde Führung setzt eine hohe Sozialkompetenz voraus. Denn oft sind es die kleinen Dinge, die die größte Wirkung erzielen: ein offenes Ohr, ein Dankeschön, Zuverlässigkeit, Transparenz.


Gesunde Führung: Das sind die wichtigsten Bausteine:

  1. Selbstführung und Selbstfürsorge
  2. Transparenz und Motivation
  3. Kultur der Wertschätzung
  4. Gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeit

1. Selbstführung und Selbstfürsorge: Sich selbst gesund führen und Vorbild sein

Nur wenn es der Führungskraft selbst gut geht, kann sie der Rolle und Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern gerecht werden. Daher ist es für alle Beteiligten wichtig, dass es der Führungskraft gut geht und sie gesund und motiviert ist. Gleichzeitig übernimmt der Vorgesetzte auch eine Vorbildfunktion für sein Team. Die Beschäftigten orientieren sich nicht nur fachlich an ihm, sondern auch in ihrem Gesundheitsverhalten. Ob Überstunden, Pausenkultur oder Arbeitsbelastung: Mitarbeiter sind motivierter, es Führungskräften nachzutun, wenn diese sich selbst an Arbeitsschutzrichtlinien halten und Gesundes vorleben. Auch was den achtsamen Umgang mit sich selbst betrifft, gehen Selbstführung und Selbstfürsorge Hand in Hand.

Strategien der Selbstführung und Selbstvorsorge:

  • Nehmen Sie sich Zeit für sich und reflektieren Sie: Wie geht es Ihnen? Was tut Ihnen gut? Wo stoßen Sie an Ihre Grenzen? 
  • Strukturieren Sie Ihren Arbeitstag: Legen Sie Arbeits- und Pausenzeiten fest. Machen Sie transparent, wann Sie für Ihre Mitarbeiter erreichbar sind bzw. wer Sie vertritt
  • Planen Sie Ruhe- und Entspannungsphasen ein
  • Sorgen Sie im Arbeitsalltag für ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung.

2. Transparenz und Motivation

Unsicherheit belastet Mitarbeiter. Dabei geht es nicht nur um die Angst vor einem Jobverlust. Auch fehlende Unterstützung, Akzeptanz und Gerechtigkeit können zu einer empfundenen Unsicherheit beitragen. Sicherheit entsteht durch Transparenz und Zuverlässigkeit. Die Führungskraft sollte Unternehmensziele und -strategien kommunizieren und den regelmäßigen Austausch zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter fördern.

Ein zu hoher Druck von außen löst beim Mitarbeiter und bei der Führungskraft schnell Stress aus. Dies kann auf Dauer psychisch und physiologisch krank machen. Die Motivation zum Ausüben einer Tätigkeit sollte vom Mitarbeiter selbst kommen.  Ein gesunder Führungsstil zielt daher darauf ab, eine intrinsische Motivation zu erzeugen bzw. zu fördern.

Strategien der Transparenz und Motivation:

  • Führen Sie regelmäßige Teammeetings durch
  • Machen Sie Ihre Entscheidungen transparent
  • Seien Sie ansprechbar, wenn Hilfe benötigt wird. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft
  • Finden Sie heraus, was Ihre Mitarbeiter antreibt
  • Geben Sie der Arbeit einen Sinn. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, wie sie zum Unternehmenserfolg beitragen


3. Kultur der Wertschätzung: Zuhören und Feedback geben

Menschen wünschen sich Wertschätzung und Respekt, auch am Arbeitsplatz. Laut einer Studie sind Mitarbeiter zufriedener in ihrem Job, wenn ihre Vorgesetzten Wertschätzung aussprechen, regelmäßiges und ehrliches Feedback geben und Interesse an ihnen als Menschen zeigen.[2] Wer sich Wert geschätzt fühlt, dem geht es gesundheitlich besser. Er hat weniger Fehlzeiten und bleibt länger im Unternehmen. Doch wie verhalten Sie sich als Führungskraft wertschätzend?

Strategien der Wertschätzung:

  • Hören Sie aktiv zu und widmen Sie Ihrem Gegenüber Ihre volle Aufmerksamkeit
  • Sagen Sie einfach mal „Danke“ oder sprechen ein Lob aus
  • Seien Sie ansprechbar und haben Sie ein offenes Ohr für Anregungen, Wünsche und Probleme
  • Bleiben Sie fair und lassen Sie Ihr Team wissen, dass es auf Sie zählen kann
  • Bereiten Sie Ihrem Team kleine Aufmerksamkeiten, beispielsweise ein freier Tag oder kleine Geschenke nach einem anstrengenden Projekt, oder feiern Sie gemeinsam Erfolge

4. Gesundheitsfördernde Gestaltung der Arbeit: Belastung und Verantwortung

Sowohl Überforderung als auch Unterforderung können krankmachen. Eine Führungskraft sollte daher das richtige Maß an Belastung für seine Mitarbeiter im Blick behalten. Phasen erhöhter Arbeitsbelastung lassen sich in einem Unternehmen oftmals nicht vermeiden. Die Aufgabe einer Führungskraft ist es dafür zu sorgen, dass ein Mitarbeiter nach einer intensiven Phase der Arbeitsbelastung, die Möglichkeit hat, kurzfristig kürzer zu treten, um seine mentalen Ressourcen wieder aufzufüllen. Wer dauerhaft an seiner Belastungsgrenze arbeitet, schadet seiner Gesundheit.

Gesund führen heißt Handlungsspielräume des Mitarbeiters zu fördern und gezielt zu entwickeln. Mitarbeiter wollen einbezogen werden, Projekte selbstständig durchführen und Verantwortung übernehmen, anstatt sich permanent die Zustimmung des Vorgesetzten einholen zu müssen. Hierbei sollte der Mitarbeiter wissen, dass er jederzeit auf die Unterstützung des Chefs zählen kann. Natürlich ist beim Bestimmen der Handlungsspielräume darauf zu achten, dass diese den Mitarbeiter nicht überfordern. So benötigen einige Menschen mehr und andere weniger Vorgaben bzw. Orientierung bei dem Erreichen eines Ziels.

Strategien zur Gestaltung der Arbeit:

  • Holen Sie sich regelmäßig von ihren Mitarbeitern Feedback zu Aufgabenmenge und Zeitressourcen ein
  • Lassen Sie Phasen erhöhter Arbeitsbelastung Phasen geringer Belastung folgen
  • Definieren Sie Leistung nicht über Präsenz am Arbeitsplatz
  • Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen und eröffnen ihnen Handlungsspielräume
  • Entwickeln Sie mit Ihrem Team gemeinsam Lösungen. Beteiligen Sie es z. B. an der Entwicklung von Arbeitsabläufen oder Veränderungsprozessen

Fazit

Die Anforderungen an eine Führungskraft haben sich im Laufe der letzten Jahre verändert. Früher zeichnete sich eine kompetente Führungskraft vor allem durch ihr Fachwissen und ihre Erfahrung aus. Heute sollen Vorgesetzte auch für die Motivation und Gesundheit ihres Teams Verantwortung übernehmen. Indem sie dafür sorgen, dass Mitarbeiter gesund und motiviert bleiben, gewährleisten sie einen produktiven und wettbewerbsfähigen Betrieb. Ein gesunder Führungsstil ist daher ein zentraler Baustein des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Die gute Nachricht: Ein gesunder Führungsstil lässt sich erlernen.


[1] https://www.mehrwerte.ch/blog/20170908-manpowergroup-studie-jobzufriedenheit-2017.pdf, zuletzt aufgerufen Juli 2023.
[2] TOP JOB – Gesunde Führung, Wie Unternehmen eine gesunde Performancekultur entwickeln, Universität St. Gallen, 2013, S.15.

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