Eine Gruppe steht an einem Hochbeet an dem eine Frau erklärt auf was bei der Pflege zu achten ist.
BGM,  Gesundheit am Arbeitsplatz

Office Gardening – Gemüse säen und Teamgeist ernten

Mitarbeiter des Johanniterheims Velbert pflanzen, säen, pflegen und ernten gemeinsam am Arbeitsplatz Kräuter und Gemüse. Ihr Ziel: Sich dauerhaft gesünder und nachhaltiger zu ernähren, den Teamgeist zu stärken und sich immer wieder kurze Auszeiten vom hektischen Arbeitsalltag zu schaffen.

Die Sonne scheint mit aller Kraft auf die Hochbeete vor dem Johanniterheim in Velbert. Es ist früher Nachmittag Mitte Juni. Eine kleine Gruppe an Frauen und Männern hat sich um die Gemüsebeete versammelt. Während die Mitarbeiter des Seniorenhauses den Schatten suchen, wirft Lisa einen fachmännischen Blick auf die Beete. Das Grün der Radieschen und die zarten Spitzen der Gartenkresse haben sich bereits ihren Weg durch die Erde gebahnt. Der Mangold ragt mit seinen roten Stielen und dunkelgrünen Blättern prunkvoll aus dem Pflanzbeet hervor. Das Blattgemüse glänzt in der Sonne. „Die Pflanzen haben sich wirklich gut entwickelt“, so die Ackerexpertin. „Die ersten Mangold-Blätter könnt ihr jetzt schon ernten.“ Die Gesichter strahlen.

Lisa Kutsch unterstützt das Garten-Team des Seniorenhauses bei ihrer „Ackerpause“. So heißt das achtwöchige Präventionsprogramm des Instituts für Berufliche Gesundheitsförderung, bei dem insgesamt elf Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims mitmachen. Sie kommen aus allen Berufsgruppen, der Pflege, dem Sozialdienst, der Verwaltung. Die Teilnahme ist freiwillig.


„Wir arbeiten in der Betrieblichen Gesundheitsförderung schon seit einigen Jahren eng mit dem BGF-Institut zusammen. In diesem Jahr haben wir uns auf das Thema gesunde und nachhaltige Ernährung konzentriert. Von dem Konzept der ‚Ackerpause‘ waren wir sofort begeistert.“

Mariola Borowiak, Gesundheitsmanagerin bei den Velberter Johannitern

Die Programme der Ackerpause bringen Gemüseanbau ins Wohn- und Arbeitsumfeld. Die gemeinschaftlichen Gartenerlebnisse werden mühelos und niedrigschwellig in den Alltag integriert. Bei den Urban-Farming-Programmen mit Nachbarschaften und Quartieren werden die Teilnehmenden über die Dauer eines Ackerjahres begleitet und ein Gemeinschaftsgarten angelegt. Das beginnt mit dem Anbau der Pflanzen und endet mit der Ernte und der Saatgutgewinnung. Die Anzahl der Workshops und Ackersprechstunden ist flexibel. Die Office-Gardening-Programme für Mitarbeitende eines Unternehmens bewegen sich meist im Rahmen von acht Wochen. Hier liegt der Fokus verstärkt im Ernährungsbereich, aber auch das Pflanzenwissen zu Anbau, Vermehrung und Ernte kommt nicht zu kurz. In Velbert finden insgesamt drei Präsenzveranstaltungen statt. Darüber hinaus unterstützt die Ackerpause-App die Acker-Neulinge mit zahlreichen Informationen zum Anbau und zur Pflege der Pflanzen.


Start in die Ackersaison

Vor rund vier Wochen traf sich die Gruppe das erste Mal. Es wurde gepflanzt und gesät: Tomaten, Radieschen und Zucchini, Mangold, Kresse, Palmkohl und Beete – gelbe oder rote, das war bei der Aussaat noch unklar. Gleichzeitig gab Lisa Tipps für den ökologischen Anbau und die Pflege der Pflanzen mit auf den Weg. Daraufhin mulchten die angehenden Hobby-Gärtner den Boden der Beete mit Stroh. Die Schicht aus organischen Abfällen verbessere den Boden, unterdrücke das Unkraut und lasse das Gießwasser nicht so schnell verdunsten, erläuterte ihnen Ackercoach Lisa Kutsch.  

Seitdem heißt es täglich gießen: einer morgens, einer abends. In den letzten Wochen fiel in Velbert so gut wie kein Tropfen Regen.  Abgestimmt hat sich das Team über eine WhatsApp-Gruppe. „Das hat sehr gut funktioniert“, freut sich Mariola Borowiak. „Je nachdem wer Früh- oder Spätdienst hatte, hat sich derjenige um die Pflanzen gekümmert. Alle waren motiviert.“


Es wächst und gedeiht

Einige der Teilnehmer hatten bislang kaum Berührungspunkte mit dem Gärtnern, andere bewirtschaften bereits ein kleines Gartenstück, sind aber für jede neue Information dankbar. „Es macht großen Spaß, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen“, erklärt Christine Rees-Weidtmann. „Ich habe viel über den Anbau und die Pflege gelernt. Und außerdem haben wir ein nettes Team. Wir stimmen uns ab und tauschen uns aus. Das ist eine wirkliche Bereicherung.“

Es macht großen Spaß, den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen. Ich habe viel über den Anbau und die Pflege gelernt. Und außerdem haben wir ein nettes Team. Wir stimmen uns ab und tauschen uns aus. Das ist eine wirkliche Bereicherung.

Teilnehmerin Christine Rees-Weidtmann

Lisa Kutsch zieht die Blätter des Palmkohls auseinander und entdeckt auf der Blattoberseite Blattläuse. „Es ist wichtig, das Pflanzgut regelmäßig auf Schädlinge zu untersuchen“, mahnt sie. „Blattläuse lieben diese trockene und warme Sommerwitterung. Wird an den Blättern gesaugt, so können diese sich im weiteren Verlauf verfärben, einrollen oder verkrümmen und verkrüppeln.“ Und dann fragt sie in die Runde: „Was hilft gegen Blattläuse?“  „Brennnessel-Sud. Kaffeesatz. Oregano-Sud.“ An Ideen – natürlich organisch – fehlt es nicht.

Die Ackerpause Expertin hat heute ein Schädlings-Quiz mit vielen Abbildungen mitgebracht. Die Teilnehmer schauen sich Fotos von Engerlingen, Doppelfüßlern und Drahtschnecken an und diskutieren rege. Sie tauschen Erfahrungen und Tipps aus. Doch nicht alles, was im Garten kreucht und fleucht, schadet den Pflanzen. „Die Weinbergschnecke ist zum Beispiel einer der Nützlinge“, erklärt Lisa. „Sie frisst angewelkte und angemoderte Pflanzenteile sowie die Eier und Larven der ungeliebten Nacktschnecken.“ Unter Lisas Anleitung legen die „Ackerperlen“ heute noch einmal Hand an die Hochbeete an. Die Radieschen stehen etwas zu eng und müssen vereinzelt, die Tomaten ausgegeizt werden. „Entfernt die alten und vertrockneten Blätter. Sie entziehen der Pflanze unnötig Energie, die sie für die Bildung der Früchte brauchen!“


Gesund ernähren – Vom Acker auf den Teller

Begleitet wird die Praxis des Gärtnerns von Hintergrundwissen rund um die Themen gesunde Ernährung sowie regionale und saisonale Lebensmittel. Dafür ist heute Andreas Giesbertz zuständig. Im Schulungsraum duftet es herrlich nach frischem Thymian und Oregano. Während die Teilnehmer aus dem Grün Kräuterbutter zubereiten, vermittelt ihnen Giesbertz Basiswissen zu Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Die Gruppe trägt ihr Wissen zusammen. Einiges ist bekannt, doch Vieles überrascht auch: „Was sind die hochwertigsten Proteinquellen? Hühnereier. Oder mischt doch einen Löffel gutes Öl unter das Müsli. Das hält länger satt.“  

Für die meisten Teilnehmer ist es nicht das erste Mal, dass sie Kräuterbutter zubereiten, aber auch für sie hat der Ernährungsexperte noch einen Tipp: „Fügt der Butter einfach einen Schuss Olivenöl hinzu. Dann bleibt sie geschmeidig und streichfähig.“ Auf diese Weise lernt die Gruppe gesundheitsförderliches Verhalten praxisnah und alltagstauglich.


Das Finale – Erntefest mit gemeinsamer Zubereitung

In zirka einem Monat steht der letzte Workshop an. Dann wird es um die gemeinsame Ernte und Nachsaat, um regionales und saisonales Gemüse sowie die Gewinnung von Saatgut gehen. „Danach wollen wir das Projekt in Eigenregie weiterführen“, stellt die Gesundheitsmanagerin in Aussicht. Ihr Zwischenfazit lautet: „Dieses Projekt macht uns allen viel Freude. Wir alle haben das gleiche Ziel vor Augen und wollen, dass unsere Pflanzen möglichst gut wachsen und Früchte tragen. Mit den eigenen Händen etwas anzubauen, es selbst zu ernten und dann anschließend daraus eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten, das ist eine ganz besondere Erfahrung.“

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